«Copenhagenizing» in Bern

Velopolitik in Bern: Fragen zur projektierten «Panoramabrücke»

Im April 2014 gegründet, verfolgt der überparteiliche Verein «Pro Panoramabrücke» das Ziel, mit Informationen und Aktionen den Bau einer Verbindung für den Fuss- und Veloverkehr zwischen dem Nordquartier und der Länggasse voranzutreiben.

Interview und Text: Stefan Jordi

Wieso halten Sie eine weitere Brücke über die Aare für FussgängerInnen und Velofahrende für notwendig?

Oli Busato: Bereits in den 1990er-Jahren haben Verkehrsplaner erkannt, dass eine Lücke besteht für VelofahrerInnen und FussgängerInnen von der Länggasse ins Nordquartier. Die Idee der Brücke hat den Weg in das Agglomerationsprogramm Bern Mittelland gefunden. Die Überlegungen der Planer von damals haben bis heute nicht an Bedeutung verloren.

Wird da nicht weiter der Aareraum verbaut?

Schon die Kirchenfeldbrücke musste von englischen Entwicklungshelfern finanziert und gebaut werden – heute würde diese Brücke niemand mehr in Frage stellen. Erfahrungen von ähnlichen Langsamverkehrsbrücken in europäischen Städten zeigen die Vorteile: Nicht selten entwickeln sich die Projekte zu Publikumsmagneten und gar zu Ausflugszielen.

Sogar einige Velofahrende sagen, das Geld wäre andernorts besser eingesetzt.

Ich hoffe nicht, dass wir Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr gegeneinander ausspielen werden. Der Trend in Ballungszentren hin zum Langsamverkehr ist eine Tatsache. Städte wie New York, München oder Bogota übernehmen etablierte Verkehrslösungen der Dänen – das nennt man «Copenhagenizing». Diese Städte haben begriffen, dass sich diese Investitionen vielfältig auszahlen: gesündere Menschen, günstigere Infrastruktur und geringere Umweltbelastung tragen zu einer attraktiven Stadt bei.

Wie steht der Verein zur Nutzung der Brücke für den ÖV?

Die Länggasse, das Viererfeld sowie das Nordquartier sind durch zentrale Achsen bereits gut erschlossen. Zudem hat noch niemand den Bedarf nachgewiesen. Sollte eine ÖV-Verbindung letztlich zu Mehrkosten führen und somit das Projekt gefährden, so würden wir das ablehnen.
Das Projekt stockt und das Scheitern einer Abstimmung ist möglich.

Wieso setzt du dich dennoch dafür ein?

Ich sehe einer Volksabstimmung gelassen entgegen: Aus Gesprächen im Geschäft oder im privaten Umfeld schwappt mir eine weitaus grössere Sympathiewelle entgegen als es die Berichte in Berner Medien vermuten lassen. Selbst Kritiker lassen sich nicht selten vom Nutzen der Brücke überzeugen, wenn man aufzeigt, was für eine Bereicherung dieses Projekt für Bern bedeuten könnte.

Aus Sicht als Stadtberner wäre es zudem eine verpasste Chance, da die Brücke im Agglomerationsprogramm Priorität geniesst und damit sowohl Bund wie Kanton die Kosten mit der Stadt zu gleichen Teilen übernehmen würde.

«Nume nid jufle» ist die Devise. Wenn ich etwas gelernt habe bei solchen Projekten, wie schon bei der Legalisierung des Gurten Bike Trails, dann das. Gutes braucht Zeit und Langsamverkehr passt einfach zu Bern.

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